Hofkirche Köpenick (Baptisten)

Geschichte

Geschichte ist – was man daraus macht. In Köpenick gibt es seit dem 12. Jahrhundert Christen. Da wollen wir mit unseren paar Jahren seit 1900 nicht angeben. Aber wertvoll ist es uns doch.

Hier finden Sie ein paar Einblicke in unseren Teil der christlichen Geschichte in Köpenick:

Streiflicher aus der Geschichte der Gemeinde

Januar 2000 – 100 Jahre „Hofkirche“


Am 21. Januar 1900 wurde die Kapelle auf dem Hof der Bahnhofstraße 9 eingeweiht. – Es kann interessant sein, ein wenig in alten Unterlagen, Bildern, Protokollen etc. zu lesen:

Dietrich Hübner hat für uns in alten Gemeindeprotokollen gelesen:

14.1.1899: Br. Gronemann berichtet, Br. Spuhn beabsichtige eine Baustelle in der Bahnhofstraße zu erwerben und darauf eine Kapelle zu errichten, die dem Gottesdienst der Gemeinde dienen solle. Dazu gab es viele Meinungen:

  • Wer ein Haus baut, überschlage die Kosten.
  • Der Saal reicht aus, wir brauchen keine Kapelle.
  • Es ist kein Geld dafür da.
  • Aber wir lesen auch über Störungen während des Gottesdienstes in der Luisenstraße.
  • Das Anerbieten ist gut und sehr zu überlegen.
  • Es heißt aber auch, die Kapelle liege zu weit aus der Stadt heraus, und der Weg sei für viele Mitglieder zu beschwerlich.
  • Die Entscheidung wurde auf den 18.1. vertagt.

18.1.1899: Es zeigte sich, die Geschwister hatten die Sache gut überlegt. Nach erneuter Debatte wurde einstimmig beschlossen: Wir nehmen den Vorschlag von Br. Spuhn anzunehmen und die Kapelle zu bauen. Eine Kommission wurde gewählt mit den Brüdern Krüger, Kniese, Wilke und Gronemann.

21.1.1900: Feierliche Einweihung der neuen Kapelle in der Bahnhofstraße. Nachmittag 4 Uhr, die Kapelle faßt die Besucher nicht, wohl 300 Personen waren erschienen. Gäste von weither, aber auch der Bürgermeister Borgmann mit drei Stadtverordneten waren gekommen. Der Gesangverein wurde durch Geschwister des Gesangvereins Bethel verstärkt. „Lobe den Herrn, meine Seele“ war das Lied. „Mein erst Gefühl sei Preis und Dank. Erhebe Gott, o Seele! Der Herr hört deinen Lobgesang. Lobsing ihm, meine Seele!“ – Glaubensstimme 569 sang die Gemeinde.

altes Protokoll

Bruder Spuhn spricht über die Worte ‚Viele sind berufen, aber wenige auserwählt“ und über die Entstehung … des Baues: Grundsteinlegung am 19.7.1899, und am 12.8.1899 wurde gerichtet.

Beiträge der Geschwister wie Sologesang, Ansprachen und Vortrag von Gedichten schmückten das Fest. Viele gute Wünsche und Worte sind im Protokoll zu lesen, immer wieder aber Hinweise auf Gottes Führung der Gemeinde. In einer Teepause war Gelegenheit zu Gesprächen und Besichtigung. „Das Band des Friedens halten und arbeiten für den Herrn,“ lesen wir, „Aufmerksamkeit und freundliche Behandlung der Gäste“ wird empfohlen.

Pflegt die Einigkeit und haltet das Band des Friedens, das mag verstaubt klingen, ist doch immer noch gültig. ­ Wir zeugen wie vor 100 Jahren von Gottes Liebe.

Die schweren Jahre


Eine schwere Zeit im Leben unserer Vorfahren und auch der damals noch jungen Gemeinde war die Zeit der Inflation, waren die Jahre 1922/23. Die zunehmende Geldentwertung macht es notwendig, dass z.B. das Predigergehalt wie jedes andere Beamtengehalt ständig erhöht werden musste. Am 11.06.1922 wurde ein Wochengehalt von 1.000 Mark beschlossen, zwei Monate später waren es 1.800 DM, drei Wochen später 3.000 Mark und am 01.10. wurden dann 4.000 Mark vereinbart.

Im November legt der Hauptkassierer seine Arbeit nieder, weil kein Geld mehr in der Kasse ist In der ersten Hälfte des Jahres 1923 steigt das Gehalt auf 3 Mill. Mark. Und als dann täglich der Wert des Geldes fiel, wird das Predigergehalt auf den aktuellen Wert von einem Zentner Roggen (Wertangabe vom vorangegangenen Samstag) festgesetzt. Für die Kapellenreinigung wird Schw. Annemarie Rahn mit dem wertbeständigen Kurs von 6 Pfund Roggen je Woche entlohnt. Der Sonntagschulausflug 1923 muss ohne Geldausgaben durchgeführt werden: Zuckerspende von Br. Rothe, Kaffeekochen in der Kapelle, Transport des Kaffees mit einem Pferdefuhrwerk durch Br. Wittchen.

Auch auf dem Kapellengebäude lasteten noch Schulden, die nach der Geldumwertung eine Tilgung von 4.105 RM und 3 % Zinsen erforderten. Das Gemeindeguthaben von 237 657 828 621 346,60 Mark wurde am 01.01.1924 auf 237,65 RM umgewertet.

Gott hat die Gemeinde in dieser Situation nicht zerbrechen lassen, hat Mut und neue Kraft geschenkt.

Nach Aufzeichnungen
von Br. Gerhard Schwahn

Peter Brandt – Gemeindepastor in schweren Zeiten


Peter BrandtIm Januar 1923 kaufte Pastor Peter Brandt für 40.000 Mark eine Tonne Teer für seine Gemeinde, alle waren über dieses „Schnäppchen“ erfreut, konnte man damit doch wenigstens damit das Dach im Vorderhaus ausbessern. Peter Brandt war also Gemeindepastor in Köpenick in den Jahren der Inflation, genauer vom 1. Oktober 1919 bis zu seinem Tode am 21. Mai 1923.

Er hatte eine große Familie, und doch gab es erst nach zwei Jahren Tätigkeit eine Wohnung für ihn in Köpenick. Fast wäre er da schon nach Luckenwalde gegangen, hätte nicht im letzten Moment das Wohnungsamt doch noch eine Wohnung genehmigt.

Peter Brandt lag das Wachsen der Gemeinde am Herzen, das Zeugnis, das sie der Welt gegenüber zu erbringen hatte. Vielfältig waren die Aufgaben, die er als Gemeindepastor zu bewältigen hatte, aber ebenso kompliziert waren in dieser Zeit die Geldprobleme in der Familie und in der Gemeinde. Ab 1920 stiegen die Preise in astronomische Höhen. Immer wieder versuchten auch die Gemeindeglieder, das Pastorengehalt der Preisentwicklung in etwa anzupassen aus gemeindeeigenen Mitteln, aber auch aus Bundesmitteln. Im März 1921 betrug das Jahreseinkommen des Pastors 15.000 Mark, vier Monate später schon 20.000 Mark. Und später wurde das Gehalt wöchentlich gezahlt, weil jede Summe von gestern heute nichts mehr wert war. Die Gemeinde unterstützte ihren Pastor auf vielfältige Weise, 1921 ließ sie ihm einen Anzug zu Weihnachten anfertigen, über den er sich sehr freute.

Bauliche Veränderungen in der Gemeinde und auf dem Grundstück verursachten Kosten für die Gemeinde: elektrisches Licht (1919), Neubau des rechten Seitenflügels (1920), und dann verkaufte Carl Spuhn, der Erbauer und Eigentümer unserer Kapelle, 1920 der Gemeinde das Grundstück

Bahnhofstraße 9 mit allen Gebäuden für 200.000 Mark. Darlehen waren notwendig, Opfersammlungen, Erlöse von Chorkonzerten, viele Geschwister gaben zinslose Darlehen an die Gemeinde, andere Gemeinden wurden um Opfer gebeten. Pastor Brandt unternahm Kollektenreisen, z. B. 1921 nach Landsberg/Warthe, die 1285,50 Mark erbrachte, und in die Gemeinde Neukölln. Sparen war angesagt in allen Bereichen, es wurde dazu aufgerufen, alle nicht notwendigen Beleuchtungen abzuschalten. Im November 1922 legte Br. Möller das Amt des Hauptkassierers nieder, weil es einfach in der Kasse nichts mehr gab, was er verwalten sollte. Es war schon nicht einfach für Peter Brandt, mit all diesen Problemen fertig zu werden, aber ihm standen erfahrene Brüder zur Seite: Hugo Lemke, Richard Bräuer u. a. Den Tag, an dem der Inflationsspuk ein Ende hatte, den 1.1.1924, hat er leider nicht mehr erlebt. Die damals in der Gemeindekasse vorhandenen 237.657.828.621.346,00 Papiermark wurden umgewertet auf 237,65 Goldmark.

Als Pastor Edwin Peter Brandt vor wenigen Tagen in unserer Gemeinde predigte, fiel mir sein Großvater, Peter Brandt, ein, einer der Väter unserer Gemeinde, über den hier einmal berichtet werden sollte. Und da sind noch weitere Nachkommen in unserer Gemeinde: Ursel Heidborn, Thea Brandt und Regina Herwig, auch Enkel von Peter Brandt, und Carsten Rogasch, ein Urenkel.

Aus Protokollen früherer Gemeindeversammlungen
zusammengestellt von I. Feske