Hofkirche Köpenick (Baptisten)

Bibelprojekt 12: Juden – Christen – Israel

Juden – Christen – Israel

Klärungen

Jesus von Nazareth ist Jude.
Die ersten Menschen, die an Jesus als den Messias glaubten, waren Juden. Kurze Zeit später fingen Menschen aus anderen Völkern an, an Jesus zu glauben. Sie nannten nun Jesus den Christus. Das ist griechisch.
Juden, die nicht an Jesus glaubten, fingen an, die Juden zu verfolgen, die an Jesus glaubten.
Später begannen Nichtjuden, die an Jesus glaubten, Juden zu verfolgen, die nicht an Jesus glaubten.
Und heute sagen gläubige Juden, die nicht an Jesus glauben, zu Juden, die an Jesus glauben, dass sie keine Juden mehr sind.
Das ist wirklich kompliziert.
Das Verhältnis von Christen zu Juden war viele Jahrhunderte katastrophal – für Juden. Viele haben heute nur noch in Gedanken ein Verhältnis zu Juden. Wir kennen ja kaum noch einen persönlich. Gelegentlich unklar ist, wie wir uns zum Staat Israel verhalten.

Mit dem Bibelprojekt wollen wir versuchen, etwas Klarheit in den komplexen Fragestellungen zu gewinnen. Wir werden die Fragen anreißen, einiges klären und einen Doppelpunkt setzen, wie wir uns zum erwählten Volk Gottes, dem Volk Israel, stellen.

16.10.2019 (amadeus, 19.00-20.15 Uhr)
1. Wer und was ist Israel? Was bedeutet es, Gottes erwähltes Volk zu sein?

Der Patriarch Jakob bekommt von Gott den Namen Israel. Nach Salomo gibt es ein Nordreich Israel und ein Südreich Juda. Kompliziert ist es auch heute. Nicht alle Bewohner des Staates Israels sind Juden. Nicht alle Juden sind Bürger Israels. Und was ist in der Bibel gemeint, wenn es vom erwählten Volk spricht? Dass Israel Gottes Volk ist, ist nach der Heiligen Schrift unstrittig. Aber wer definiert heute „Israel“?

Material: Handreichung, 1-2

23.10.2019 (amadeus, 19.00-20.15 Uhr)
2. Judentum und Christentum: Verbindendes und Trennendes

Ob krachender Lobpreis oder feine Kantate: Die Texte stammen oft aus der jüdischen Tradition. Psalmen, Lieder, Gebete verdanken wir dem Glauben Israels. Keiner käme auf die Idee, ägyptische Göttergeschichten oder syrische Liturgien zum christlichen Erbe zu erklären. Mit israelitischen Texten ist das aber irgendwie anders. Natürlich, das ist ja auch derselbe Gott. Das verbindet Christen mit Juden. Auch ihre Heilige Schrift. Was trennt, ist der Glaube an Jesus. Und, dass Christen irgendwann nicht mehr jüdisch denken wollten, sondern es mehr mit Griechen hielten.

Material: Handreichung, 3-4

30.10.2019 (amadeus, 19.00-20.15 Uhr)
3. Lehren aus der Geschichte

So traurig es ist und so sehr man sich dafür schämen muss: Erst der Zusammenbruch und die Zerschlagung des nationalsozialistischen Regimes führten in der Theologie zu einem Umdenken. Nachdem man jahrhundertelang sagen konnte, dass die Juden unser Unglück sind, war nun klar, wie es wirklich ist: Wir sind das Unglück der Juden. Warum den Christen Antisemitismus in der kirchengeschichtlichen DNA steckt und warum er überwunden werden muss, ist Thema dieses Abends.

Material: Handreichung, 5

09.11.2019 (Achtung: Samstag, Stadtkirche, 17.00-19.00 Uhr)
4. Gottesdienst zum Pogromgedenken

Seit vielen Jahren findet in Köpenick ein ökumenischer Gottesdienst zum Pogromgedenken in der Stadtkirche statt. Anschließend wird an dem Ort, an dem in Köpenick eine Synagoge stand (Freiheit) ein Kranz niedergelegt.
In diesem Jahr steht beim Gottesdienst das Thema im Mittelpunkt: Das Leiden ist noch nicht vorbei. Wir erinnern uns in der Gegenwart Gottes an vergangenen und aktuellen Antisemitismus.

13.11.2019 (amadeus, 19.00-20.15 Uhr)
5. Israel – Gottes Zeiger an der Weltenuhr?

Spätestens nach der Gründung des Staates Israel kam es zu einer neuen theologischen Beschäftigung mit dem Thema „Israel“. Während eine Richtung nun die Erfüllung biblischer Verheißungen sah und das Geschehen endzeitlich deutete, setzten andere verstärkt auf den Dialog mit dem Judentum. Wiederum andere solidarisierten sich mit dem palästinensischen Volk und bringen eine israelkritische Einstellung mit. Das werden wir an dem Abend nicht klären, aber vielleicht etwas besser verstehen, wie es zu diesen unterschiedlichen Strömungen kommt.

20.11.2019 (Hofkirche, 19.00-21.00 Uhr)
6. Begegnung und Lesung mit Horst Selbiger

Der Berliner Horst Selbiger, Jahrgang 1928, erinnert sich an seine Schulzeit in den dreißiger Jahren: „Für die anderen Schüler war ich die Judensau, die beleidigt, angespuckt und getreten werden konnte.“ Er ist einer der immer weniger werdenden Zeitzeugen des Unrechts, das Juden in Deutschland und Europa erlebt haben.
Seine Leiden waren 1945 nicht vorbei. Er hat erlebt, wie Diktaturen und wie antisemitische Auffassungen bis heute Unheil anrichten.
Horst Selbiger wird aus seinem Leben erzählen. Dazu laden wir auch die Köpenicker Gemeinden und die Öffentlichkeit ein.

Das Projekt

Bei diesem Bibelprojekt nähern wir uns den Fragen und Antworten auf unterschiedliche Art und Weise.

Den Einheiten 1-3 liegt die Handreichung des Bundes Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinde von 1997 „Zum Verhältnis von Juden und Christen“ zugrunde. Wer Zugang zum Internet hat, findet diese auf der Homepage unseres Bundes (https://www.baptisten.de/fileadmin/bgs/media/dokumente/Zum-Verhaltnis-von-Juden-und-Christen.pdf).
Interessierte erhalten eine gedruckte Version nach Anmeldung zum Projekt.

Einheit 4 ist ein gemeinsamer Gottesdienst der Köpenicker Gemeinden.

Einheit 5 wird verschiedene Strömungen, die es auch in unserer Gemeinde gibt, ins Gespräch bringen.

Einheit 6: Mit der Begegnung mit einem Zeitzeugen des Holocaust endet dieses Projekt. Mit dem Thema werden wir damit nicht fertig sein.

Es ist sinnvoll, an der ganzen Reihe teilzunehmen. Bedingung zur Teilnahme ist das allerdings nicht.

Um Anmeldung wird gebeten, entweder mit einer kleinen schriftlichen Notiz an Uwe Dammann oder per E-Mail an pastor@hof-kirche.de.